Die Sache mit den Premium Credits

Wenn man für Aufmerksamkeit zahlen muss

Man kann sich Aufmerksamkeit heutzutage kaufen. Ist ja ein rares Gut, die Aufmerksamkeit im Musikjournalismus, angesichts der Masse an neuen Veröffentlichungen. Die meisten Musikblogger schreiben in ihrer Freizeit, weil ihnen das Thema Spaß macht und weil sie mit Leidenschaft bei der Sache sind. Der Austausch mit Musikern und mit den eigenen Lesern ist für die meisten Belohnung genug für ihre Tätigkeit. Und natürlich auch die Promopäckchen, die immer noch mit der guten alten Post eintrudeln. Geld damit verdienen tut die große Mehrheit der Musikblogger nicht. Aber es gibt Ausnahmen. Und eine Ausnahme nennt sich SubmitHub. Die Sache funktioniert so: Das Portal hat über 300 Musikblogs, aber auch Labels weltweit versammelt, die gegen Bezahlung Feedback geben, wenn man eine Single sozusagen „pitcht“. Wenn man „Premium Credits“ nutzt (50 Stück kosten übrigens 40 Dollar), dann verpflichtet sich der Blogger dazu, den Song mindestens 20 (!) Sekunden lang anzuhören und binnen 48 Stunden Feedback zu geben. Was der einzelne Blogger nun damit verdient, ist mir unklar, aber es gibt einige deutsche Musikblogs wie etwa Tonspion, die generell nur Musikstücke annehmen, wenn man es über SubmitHub tut.

Nun denn, als sparsame Baden-Württembergerin habe ich mich bis jetzt standhaft geweigert, SubmitHub für meine Bands Is This Really Me und Good Omens für Promozwecke zu nutzen. Aber dann habe ich einfach mal eine kleine Mail geschrieben, als ein SubmitHub-nahes Blog die berühmten „Premium Credits“ verloste und habe glatt gewonnen! Na klar, bevor man dieses Premiumprodukte verkommen lässt, dann mal ran ans Werk! Die gute Nachricht ist: Man kann unter den über 300 Blogs Filter einsetzen und vorrangig nur die bemustern, die dem Musikstil der zu „pitchenden Bands“ entspricht. Nenne ich fair. Schön die Files hochgeladen und ein bischen pitchmäßig gedichtet und meine Bands angepriesen. Und dann ein Gläschen Rotwein eingeschenkt und abgewartet.

Dass nicht alle Blogs hurra schreien würden, war mir klar. Aber dass dann von zehn angeschriebenen Blogs neun Ablehnungen kamen…bisschen schlucken musste ich schon. Ich weiß jetzt, wie sich das anfühlt, wenn eine angehende Hollywood-Schauspielerin x-mal vorspricht und immer wieder Absagen bekommt. So wie in La-La Land, als Emma Roberts schon alles hinschmeißen will. That´s life, baby! Die Blogger müssen aber gegen die Kohle auch begründen, warum sie abgelehnt haben, und ich bringe nun einige der besten Stilblüten bei den Ablehnungs-Mails. Also den Leuten, die den Songs mindestens 20 Sekunden gelauscht haben:

- I don't think the video has enough of a concept for us to write up about!
- I didn't like the track especially after 1:10, not the kind of sounds I'm going for
- Loving how the vocals combine, but are missing some punch / power in the beat.
- Too „nice“ for me, I need something that dares to stand out more
- The singing is great! The melody is nice too. But we're looking for really powerful emotions in a track, and we didn't find any powerful emotion in this song
Und nun mein persönlicher Favorit:
- vocals are panned too much to the left channel, guitars to the right one

Inhaltlich sehr gehaltvolles Feedback, liebe Bezahlblogger! :) Ich klinge hoffentlich nicht wie eine beleidigte Leberwurst, aber ich finde die Begründungen ein wenig armselig. Aber wahrscheinlich kriegt man schlecht Laune, wenn man sich stetig Tracks anhören MUSS, damit wenig Kohle fließt. Denn damit geht der gesamte Spaß am Musikbloggen flöten, wenn man keine Entdeckungen mehr machen kann und darf, weil man emsig mit Premium-Credit-Bedienen beschäftigt ist.

So völlig untalentiert können meine Bands doch gar nicht sein, wenn Deutschlandfunk Kultur zur besten Sendezeit ein Interview mit Panu von Is This Really Me führt und sich ausführlich Zeit nimmt, die Band vorzustellen.

Und nun poste ich einfach das konzeptlose Video und schmunzele und bin gottfroh, dass ich kein Bezahlblogger bin!