Punkten mit Gedichten und Ausdruckstanz!

Dann nämlich, wenn die Band etwas auf der Bühne tut, was andere nicht tun!

Auftrittsmöglichkeiten für die unbekannte Bands eines neuen Labels zu finden, das ist schwierig genug. An diesem Thema beiße ich mir derzeit die Zähne aus. Zur Not spielt die Band eben in meinem Wohnzimmer oder im Sommer im Park. Denken wir aber mal einen Schritt weiter: Wie kann die Band denn Eindruck hinterlassen, wenn sie dann endlich mal auf der Bühne steht? Denn Hand aufs Herz: Viele Bands sind keine Kommunikationsgenies. Kontakt mit dem Publikum ist eine gefährliche Sache mit ungewissem Ausgang! Nicht jeder ist ein begnadeter Rampen-Unterhalter. Zu den üblichen Fettnäpfchen gehört das Herunterleiern langweiliger Sprüchlein („thank you, the next song is called blah blah etc), unverständliches Nuscheln oder einfach…schweigen und die eigenen Schuhe anstarren. Aaargh! Meine Freundin Ulle sagt jetzt gleich wieder, ich bin viel zu streng. Aber es gibt eben auch Bands, die fallen auf und bleiben in Erinnerung, weil sie ungewöhnliche Dinge tun! Und an diese Bands erinnert man sich auch noch drei Wochen später!

So geschehen letztens in der legendären Veranstaltungsreise Gute Stube in Darmstadt, wo die sehr sympathischen und wunderbar schrulligen US-Indierocksters Schwervon auftraten: Frau am Schlagzeug, Mann an der Gitarre. Beide singen aus Leibeskräften und sehr schön! Kurzweilig war´s mit den Musikern aus Kansas, weil sie schräge Geschichten zu erzählen hatten und sich dann auch noch als künstlerische Multitalente entpuppten: Matthew Roth war nämlich auf der langen Autofahrt von Nürnberg nach Darmstadt ein Gedicht eingefallen, in dem es vorrangig um Absonderlichkeiten am Straßenrand und im Innenraum des Autos ging. Das neue Gedicht musste er natürlich gleich live vortragen! Nan Turner erfand dazu spontan einen Ausdruckstanz, den sie mit vielen souveränen Verrenkungen und sehr expressiver Mimik auf der Bühne aufführte. Das gab natürlich Szenenapplaus! Und als die Schwervons dann noch einen Wettbewerb für schlechte Tänzer im Publikum anzettelten, hatten sie sowieso gewonnen. Diese Band bleibt im Gedächtnis, unbedingt! Jetzt muss nicht jeder Musiker auch Dichter und Ausdruckstänzer sein, aber sich ein paar Dinge zu überlegen, mit denen man das Publikum tatsächlich auch unterhält – das empfehle ich jeder Band, den eigenen und dem Rest auch!

(Fotos: Lippe)