Werden uns die Zahlen retten?

Was ist bloß Fan Relation Management?

Als frischgebackene Labelbetreiberin will ich mich ja über die neusten Trends im Musikgeschäft informieren! Zum Eurosonic Festival im niederländischen Groningen gehört ein ausführlicher Konferenzteil, wo die Herren Experten (persönliche Einschätzung: Männeranteil in den Panels bei 95 Prozent! Warum sollte es im Musikgeschäft anders sein als sonstewo?) die angesagtesten Theorien verbreiten. Angesichts eines weitgehend übersättigten Musikmarktes wird nun Big Data zum Retter der Branche ausgerufen. Gefühlt zwei Dutzend Panels gab es zu diesem Thema. Wie finde neue und bauchpinsele ich alte Fans meiner Künstler? Na klar, mit Fan Relation Management! Wie bringe ich mein Geschäft zum Brummen? In dem ich von morgens früh bis abends spät auf all die Daten starre, die über die Websites und Social-Media-Präsenzen meiner Musiker unaufhörlich hereinströmen. „Making data meaningful!“, verkündete einer der Experten stolz. Aha! Und was ist der neueste Trend im Marketing? Natürlich Playlist Marketing! „You have to communicate in an entertaining way!“, empfiehlt einer dieser Schlaumeier. Wäre ich nie drauf gekommen! Und dann sind noch die Gurus von Youtube aus London eingeflogen und lehren uns, was es mit Youtube Music Insight auf sich hat. Nach spätestens zwei Panels schwirrt einem der Kopf vor lauter Zahlen. Und beschleicht einem die bange Vermutung, dass man künftig als Labelmensch nur noch in die Kiste guckt und Statistiken anstarrt. Schreckliche Vorstellung, das! Sicherlich: Einige gute Tipps und Anregungen waren dabei. Aber ob Big Data tatsächlich der Zaubertrank ist, mit dessen Hilfe sich heute Karrieren im Musikgeschäft im Handstreich ermöglichen lassen? Das glaube ich nicht, das glaube ich nicht!