Zu viel Information. Und meistens die falsche!

Wer interessiert sich für völlig unbekannte Bands aus Finnland?

Die gute Nachricht als erste: Bei Ice Will Melt tut sich endlich was! Das letzte Jahr war geprägt von der Suche nach Musikern, die sich auf ein völlig neues, unbekanntes deutsches Label einlassen wollen. Denn wer braucht denn heute noch ein Label, wenn man alles so schön selbst machen kann? Überschätzt Euch mal nicht, liebe Künstler: Das ist alles Arbeit, sehr viel Arbeit, die von eurem kreativen Schaffen abgeht! Ich freue mich sehr, dass ich mit Is This Really Me und den Good Omens zwei wunderbare Bands aus Finnland für mein Label gewinnen konnte. Und kann durchaus sein, dass sich in diesem Jahr noch etwas in Sachen Island tut, mit einer Band, die ich ganz großartig finde!

Davor stehen aber die Mühen der Ebene. Denn wie will ich Aufmerksamkeit generieren für zwei in Deutschland völlig unbekannten Bands? Ich kenne es ja selbst: Als Musikjournalistin werde ich tagtäglich zugemüllt mit Promo-Mails, die grottenschlecht geschrieben sind und mich nicht die Bohne interessieren, weil sie überhaupt nicht auf mich zugeschnitten sind. Ich schreibe für zwei Musikblogs: Eins zu skandinavischer und eins zu belgischer Popmusik. Ständig mailen mich irgendwelche Hansel an, dass sie angeblich Riesenfans meiner Blogs sind und legen mir marktschreierisch irgendwelche Hiphopper aus Neuseeeland oder R´n`B-Langweiler aus South Dakota ans Herz. Alles Lüge! Ihr geht mir so was von auf den Nerv! Ihr verleidet mir den Spaß an der Musik! Im letzten Monat war ich so demotiviert, dass ich meine Blogs links liegen ließ und meine Abende damit verbrachte, den internationtalen Cellowettbewerb Reine Elisabeth in Brüssel zu verfolgen, ganz wunderbar! Und mein Herz an einen jungen Weißrussen namens Ivan Karizna verlor. Ach der ungelenke junge Mann, kommt daher wie der Enkel von Gérard Depardieu und spielt Cello zum Niederknien. Wir hören viel zu wenig Schostakowitsch!

Aber ich schweife ab. Denn die traurige Wahrheit ist, dass es sehr, sehr schwierig ist, Gehör für neue, unbekannte Töne zu finden. Was bedeutet das für die Promo für meine Künstler? Ganz neue Wege gehen? Wie denn? Wie Aufmerksamkeit generieren in einer Zeit, in der die Stille immer mehr zur Qualität wird? Wie sieht gute, nachhaltige Promotion heute aus, welche die Leute nicht nur nervt? Es geht offenkundig um die Fähigkeit. interessante Geschichten zu erzählen. Ich wüsste schon ein paar. Is This Really Me und ihre Liebe zu Dostojewski. Die Good Omens mit ihrer ungemein anregenden Männer-Frauen-Dynamik. Mir wird schon was einfallen!