Hier geht die Sonne auf!

Ein zärtliches, sanft euphorisches Album!

„In the pitch darkness, the iron door of the prison is suddenly opened and the Grand Inquisitor himself comes in with a light in his hand. He is alone; the door is closed at once behind him. He stands in the doorway and for a minute or two gazes into His face.“

Fyodor Dostoyevsky, The Brothers Karamzov

„The Iron Door“, das Debüt von Is This Really Me aus Helsinki, ist kein typisches Folkpop-Album. Die sechs Musiker platzieren ein Dostojewski-Zitat an prominenter Stelle ihres Album-Artworks. Der Schlüssel, der die eiserne Tür öffnet, ist eine psychoanalytische Lektüre von Dostojewskis Meisterwerk „Die Brüder Karamasow“, erklärt Sänger und Gitarrist Panu Artemjeff, der alle Songs geschrieben hat. Im feinen Track „Freedom Riders“ hat der Dostojewskis Großinquisitor, eine der berühmtesten Gestalten der Weltliteratur, einen denkwürdigen Gastauftritt. Aber keine Angst: Man muss nicht tausend Seiten Dostojewski gelesen haben, um Zugang zum musikalischen Universum der Finnen zu erlangen. Is This Really Me ist hier ein zärtliches, bittersüßes und sanft euphorisches Album gelungen. Das bestens die Balance zwischen großäugigem Folkpop und psychedelischen Einflüssen hält. Und mit einer guten Prise Eigensinn und einer angenehmen Portion Schlunzigkeit punktet!

Beschaulich geht es auf „The Iron Door“ nicht zu. Hier dürfen Streicher schwelgen, Trompeten jubeln und das Saxofon beim Track „Cave“ auf einen willkommenen Besuch vorbeischauen. Der erzcoole Bass von Hitomi Tabuchi, dem einzigen weiblichen Bankmitglied, ist sowieso eine Entdeckung. Und singen können die Finnen auch: Die Harmonien klingen fast wie bei den Housemartins! Und wenn wir schon bei wesensverwandten Bands sind: Die Jayhawks und Belle And Sebastian sind hier nicht fern!

Gleich der Album-Opener „Sun“ überzeugt mit einer simplen, aber effektiven Instrumentierung: Akustikgitarre, fein perlendes Piano und himmlische Harmoniegesänge: Hier geht eine blasse Sonne auf. Bei „Promises“ lassen Is This Really Me die Indierocker in sich heraus und legen einen flotten Tanztrack vor. „Forty Acres“ schwelgt in sanfter Melancholie und nähert sich behutsam einem ernsten Thema an: „Forty Acres And A Mule“, also ein wenig Land und ein Maultier: Das versprach die US-Regierung im Jahr 1865 den befreiten Südstaaten-Sklaven. Eingehalten wurde die Zusage nicht. Und die Trauer über diese Ungerechtigkeit schwingt hier mit. Dass der Track einen wunderbar eingängigen Refrain hat, soll nicht unterschlagen werden! Das zurückhaltende „Roundabout Way“ erhebt die Nachdenklichkeit zur Kunstform.

Is This Really Me sind übrigens in der überschaubaren finnischen Indieszene keine Unbekannten: Panu Artemjeff war lange als Keyboarder bei der stilprägenden Indieband The Rollstons aktiv. Seine ehemaligen Bandkollegen, die Gebrüder Mikko und Tuomas Valo (nicht verwandt mit Ville Valo!) mischen hier bei einigen Tracks im Hintergrund an der Gitarre mit.

Das Album wurde im beschaulichen südfinnischen Dörflein Jaala an einem geheimnisvollen Ort aufgenommen. Das außergewöhnliche Album-Artwork stammt von Tomas Regan und Riku Ahonen, dem Bruder von Panu Artemjeff.

„I´m loving this album. The Helsinki-based band takes influence from folk music oft he late sixties and early seventies. I think you can hear a fair share of pop melodies just as well.“
(Vesa Lautamäki, One Chord To Another)

„This is an album that has surprised me in many ways. Firstly, I didn´t expect it to keep growing on me the way it has done since I first heard some tracks two months ago. And the lyrics are really clever, thoughtful and interesting – unexpectedly so for an album which is so soft in its delivery.“
(Nordic Music Review)

„The Iron Door turns out to be a real folkpop treasure. Fine melodic songs and an elegant production form a harmonious whole with something timelessly beautiful.“
(Mikko Siltanen, Keskisuomalainen)

Existentialistische Philosophie im Folk-Format

Let the sun shine in!